Mai 13 2009

Einspeisen – oder Solarstrom selbst nutzen?

Published by at 10:10 under Allgemein

Teil 1. Grid Parity:

Bald kein Kostenunterschied zwischen Haushalt- und Solarstrom

Diskussionsbeitrag von Friedrich Naehring, Vorstandsmitglied der SonnenSchein Mittelweser eG

Garantierte Einspeisevergütung. Die Kosten zur Erzeugung einer Kilowattstunde (kWh) Strom aus einer Photovoltaikanlage betragen gegenwärtig etwa 0,43 €. Darin enthalten sind anteilige Kosten zur Errichtung der Anlage, zur Finanzierung, eventuell Dachmiete sowie laufende Kosten für Wartung, Reparaturen, Versicherung und Verwaltung. Wohl gibt es vorteilhafte und weniger günstige Standorte für Photovoltaik (PV), hervorragende und weniger gute, große und kleine Anlagen, gutes und schlechtes Sonnenstromwetter und so weiter. Deshalb sind die 43 Cent eher eine Art Kostenmarke, und nicht der Aufwand zur Stromerzeugung mit einer konkreten PV-Anlage. Für eine Anlage bis 30 Kilowatt (kW) Nennleistung, die im Jahr 2009 ans Netz angeschlossen wird, zahlt der Netzbetreiber genau 43,01 Cent je kWh. Dieser Preis ist für das Jahr der Inbetriebnahme und die folgenden 20 Jahre fest – die garantierte Einspeisevergütung.

Solarer Billigstrom. Die Kosten zur Herstellung von PV-Modulen sinken jedoch von Jahr zu Jahr dramatisch. Auch die Herstellung der anderen Komponenten wird preiswerter, der Handel und die Solarinstallateure optimieren, und die Qualität der Komponenten und Dienstleistungen steigt, so dass insgesamt die Kosten zur Erzeugung einer Kilowattstunde kontinuierlich fallen.

Wann? Frank Asbeck, Vorstandschef von Solarworld, einem großen deutschen Hersteller von PV-Modulen, sagte am 21.März 2009 im Gespräch mit der Wirtschaftswoche: „Verbilligen sich die Solar-Anlagen weiterhin jedes Jahr um acht bis zwölf Prozent, und damit rechne ich fest, sind wir 2012 wettbewerbsfähig zum Haushaltsstrom.“ Ähnliche Meinungen zum Trend sind schon seit 2007 auch von anderen Solarfachleuten und Trendforschern geäußert worden. Man spricht von Netzparität oder grid parity, wenn Haushaltstrom (im Bezug) genauso viel kostet wie Solarstrom (in der Herstellung). Denn ab dann hat jeder Bürger zumindest theoretisch die Möglichkeit, preiswert seinen Strom selbst zu erzeugen anstatt ihn teuer aus dem Netz einzukaufen. In Hawaii wurde Netzparität bereits 2007 erreicht. In den sonnenärmeren Ländern wie Deutschland dauert es noch einige, wenige Jahre.

Haushaltstrom wird teurer, Solarstrom billiger

Abbildung 1. Haushaltstrom wird teurer, Solarstrom billiger

Energetische Weggabelung. In Abbildung 1 sind die Kostentrends zusammengefasst. Haushaltstrom verteuerte sich in Deutschland jährlich um 5% und ist damit ein allgemeiner Kostentreiber. Dieser Trend wird aus Mangel an besseren Argumenten auch für die kommenden Jahre angenommen. 2009 kostet Haushaltstrom im Mittel 22,5 Cent je kWh. PV-Strom wird dagegen jährlich um 10% billiger. Das drückt sich auch in der jährlichen Absenkung der Einspeisevergütung für Neuanlagen aus, die per Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) der Marktentwicklung folgen wird. 2013, also in nur 4 Jahren, sind die Preise für Haushaltstrom und PV-Strom gleich. An diesem Punkt kreuzen sich die beiden Geraden in Abbildung 1. Wir haben Netzparität. Wer dann PV-Strom in der rechten Menge und zu der Zeit erzeugt, in der er selbst Strom braucht, wäre unklug, ihn an den Netzbetreiber zu verkaufen und Haushaltstrom in gleicher Menge teuer (zurück) zu kaufen. Das EEG kannte bisher nichts anderes.

Eigennutz. Ab 2009 wurden die Tore für die Solarzukunft weiter geöffnet – §33(2) EEG. Betreiber von Neuanlagen bis 30 kW können nun PV-Strom sowohl einspeisen als auch selbst verbrauchen. Für eingespeisten Strom gibt es die garantierte Einspeisevergütung, für selbst verbrauchten Strom gibt es eine Vergütung von 25,01 Cent je erzeugte und selbst genutzte kWh (für 2009 errichtete Anlagen). Zusätzlich hat der Kleinkraftwerksbesitzer den Vorteil, dass er diesen Strom nicht aus dem Netz kaufen muss. In Abbildung 1 sieht man diese 25 Cent als Differenz zwischen der gelben PV-Strom- und der blauen Haushaltstrom-Geraden für den Zeitpunkt 2009. Da Haushaltstrom jedes Jahr teurer wird, die Erzeugungsvergütung von 25 Cent aber für 20 Jahre bleibt, wird die Selbstnutzung für den Anlagenbetreiber von Jahr zu Jahr vorteilhafter.

Mit Haken. Bei allem was Gewinn bringend aussieht, gibt es bekanntlich auch mindestens einen Haken dabei, denn sonst würden alle sofort den Vorteil nutzen. Der kleinere Haken ist, dass der Sonnenverstromer den selbst genutzten Strom messen lassen muss. Dieser Mehraufwand mag in den 25 Cent/kWh schon enthalten sein.

Passt schon? Es gibt aber eine Öse, durch die sich PV-Erzeugung und privater Verbrauch gemeinsam hindurchquälen müssen. Es sollte in jeder Sekunde gleich viel PV-Strom erzeugt und verbraucht werden. Dann wäre der Vorteil der Stromeigennutzung voll ausgeschöpft. Scheint die Sonne immer, wenn wir Strom brauchen? Schön wär’s. Um der besten Übereinstimmung von Erzeugung und Verbrauch näher zu kommen, könnte der Kraftwerker z.B. seine Waschmaschine erst dann einschalten, wenn Strom vom Dach kommt. Auch könnte er mit einer Schaltuhr den Kühlschrank morgens 3 Stunden abschalten, bis die Sonne zu scheinen beliebt. Zumindest mit solchen kleinen Veränderungen könnte er organisieren, dass “Gemüse aus dem eigenen Garten gegessen wird”. 100% Selbstnutzung sind ohne Stromspeicher nicht machbar. Entweder es fließt zu wenig oder zu viel PV-Strom, und man muss zukaufen oder einspeisen. Wir werden ein wenig Zeit brauchen, bis wir alle Tricks und technischen Hilfsmittel gefunden haben, damit möglichst viel PV-Strom durch die Öse der Selbstnutzung passt. Dann werden sich die Preise von PV-Strom und Haushaltstrom wieder nähern, und zwar wird die Eigennutzung des Solarstromes den Haushaltstrom zwingen, auch preisgünstiger zu werden.

Wird demnächst fortgesetzt: Teil 2. Strompreise und Wirtschaftskrise.

3 Kommentare

3 Kommentare zu “Einspeisen – oder Solarstrom selbst nutzen?”

  1. Friedrich Naehringon 19 Mai 2009 at 15:44

    Am 12. Mai 2009 haben wir unsere erste Solarstromanlage in Auftrag gegeben. Sie wird auf dem Freesenhof in Wellie im Juni errichtet werden. In Kürze werden wir darüber berichten.
    Friedrich Naehring, Vorstandsmitglied

  2. Friedrich Naehringon 19 Mai 2009 at 18:58

    Die “Branchenanalyse Photovoltaik 2009″ der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) kommt zu dem Schluss, dass in Deutschland Solarstrom vom Dach möglicherweise schon 2012 billiger sein wird als der Strom aus der Steckdose. Die Netzparität wird hier also eher erreicht werden als in Italien (2013), Griechenland (2017) und Spanien (2020).

  3. Friedrich Naehringon 28 Jul 2009 at 21:10

    Am 14. Juli 2009 um 16 Uhr ging die erste Photovoltaikanlage der SonnenSchein Mittelweser eG auf dem Fresenhof in Wellie in Betrieb.

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